Bericht des Generalanzeigers Bonn vom 04.09.2004 zum 75. Jubiläum 

Die Löschgruppe Uthweiler existiert seit 75 Jahren
FEUERWEHR Die Freiwillige Wehr wurde als organisierte Selbsthilfe der Bürger gegründet. Zurzeit versorgen 48 Ehrenamtler eines der größten Löschgebiete in Königswinter.

Uthweiler. Man schrieb das Jahr 1928. Kurz vor dem Jahresende brannte das Anwesen der Familie Johann Reuter lichterloh, und obwohl zahlreiche Mitbürger zur Hilfe herbeigeeilt waren, fehlte es an den notwendigen Mitteln und vor allem an einer wirkungsfähigen Organisation und Koordination zur Brandbekämpfung. Erst der Einsatz der Belegschaft der Baumschule „Dahs & Reuter“ mit zwei Handdruckspritzen vom Bönnschenhof und eben jener Baumschule sicherte den Erfolg der Löschbemühungen.

Dieser Vorfall war die geistige Geburtsstunde der Löschgruppe Uthweiler der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter, die an diesem Wochenende ihr 75-jähriges Bestehen feiert.

 Bis zu diesem Zeitpunkt lag die Brandbekämpfung in vielen ländlichen Bezirken, wie auch in dem zur Gemeinde Oberpleis gehörenden Ort Uthweiler, noch sehr im Argen. Nach diesem Brand befanden einige Uthweiler Bürger dass es an der Zeit sei, eine organisierte Selbsthilfe zu gründen. Die Vorbereitungen und Planungen für die Freiwillige Feuerwehr zogen sich bis in das folgende Jahr hin. Am 20.02.1929 konnte dann die Gründung  mit 52 Mitgliedern und 33 aktiven Wehrleuten erfolgen. Der Zusammenschluß der Uthweiler Bürger wurde am 10.03.1929 dem damaligen Kreisbrandmeister und dem Oberpleiser Amtsbürgermeister Hahn unterbreitet und von beiden natürlich sehr begrüßt. Zum ersten Löschbezirk gehörten die Orte Uthweiler, Freckwinkel, Jüngsfeld, Elsfeld, Wahlfeld, Thelenbitze, Niederbuchholz und Bönnschenhof . Ferner erklärte sich die Wehr bereit, in dem benachbarten Ort Blankenbach, das zur Bürgermeisterei Hennef gehörte, Hilfe zu leisten.

Der erste Brandmeister wurde eben jener Mann, der auch bei dem Brand im Vorjahr die Führung der Baumschulbelegschaft übernommen hatte, Franz Bellinghausen, seine Zeichens Verwalter bei „Dahs & Reuter“.

Nun gab es also eine Mannschaft, doch an Gerätschaften mangelte es noch immer. Diesen Mangel behoben die findigen Wehrleute mit einem großen Werbefest, bei dem so viel Geld zusammen kam, dass im August 1929 eine gebrauchte Saug- und Druck-Spritze mit einigem Zubehör für 350 Reichsmark angeschafft werden konnte. Schläuche und Armaturen stellte die Gemeinde. Der Transport der Löschgeräte erfolgte mittels eines Pferdegespannes des Uthweiler Bürgers Heinrich Röhrig. Alten Quellen zu Folge sorgte Bellinghausen mit strenger Aufsicht dafür, dass die Freiwilligen eine gründliche Ausbildung erhielten. Unter Beweis stellen mussten die Helfer das schon einen Monat später bei einem Brand in Oberpleis.

Aus eigener Tasche und dem Ergebnis von Haussammlungen kauften die Uthweiler ihre ersten Uniformen und wurden bald darauf  - am 22.Oktober 1929 – vom Kölner Regierungspräsidenten amtlich anerkannt.

Von da an ging es mit der Wehr stetig bergauf. Bei einer Besichtigung der Gerätschaften im April 1931 befand der Kreisbrandmeister, dass der Löschgruppe eine würdigere Unterkunft auf dem heutigen Gelände des Oberpleiser Busbahnhofes zustände. 1933 erhielt die Wehr ihre erste, sehnlichst erwartete Tragkraftmotorspritze und zwei Jahre darauf gab es eine kleine Sensation – ein amerikanischer 8-Zylinder Wagen wurde als erstes Motorfahrzeug angeschafft und zog fortan den Schlauchkarren und die Druckspritze in den Einsatz.

Alarmiert wurden die Wehrmänner damals unter anderem von einem auf seinem Fahrrad durchs Dorf brausenden Kameraden, der in das heute noch erhalten Signalhorn blies.

Als Mitte des Jahres 1939 Karl Sassen als Kommissarischer Brandmeister die Leitung der Feuerwehr Uthweiler übernahm, wurde deren Löschbezirk um die Orte Oberpleis, Weiler, Herresbach, Hünscheid, Siefen, Frohnhardt, Eisbach, Rübhausen, Pleiserhohn, Wahlfeld, Bockeroth, Düferoth, Friedrichshöhe, Ober- und Niederscheuren erweitert.

Der Krieg stellte die Freiwilligen vor ungeahnt schwere Aufgaben. Durch die Umorganisation von Feuerwehr in Feuerschutzpolizei kamen zusätzliche Ordnungsaufgaben, wie zum Beispiel bei politischen Aufmärschen oder den Sammlungen für das Winterhilfswerk zum Einsatzspektrum hinzu. Fast der gesamte Mannschaftsbestand wurde nach und nach zum Heeresdienst einberufen. Die Arbeit nahm durch die pausenlosen Fliegeralarme immer mehr zu. Die in der Heimat verbliebenen Wehrmänner standen in ständiger Bereitschaft und vollbrachten körperliche Höchstleistungen, um nach Bombardements zu retten, was noch zu retten war. Im Jahre 1945, als sich das Leben allmählich wieder organisierte, traten einige Uthweiler Wehrmänner zu einer Neugründung zusammen. Mit einer alten reparierten Motorspritze aus Wehrbeständen und einige unversehrt gebliebenen Schläuchen versuchte Löschmeister Gottfried Hartmann die Wehr neu zu organisieren. In den Jahren nach 1946 ging es langsam aber stetig aufwärts. Die Ausrüstung wurde vervollständigt und auch der Mitgliederbestand wurde durch die Kriegsheimkehrer und Neuaufnahmen wieder aufgestockt.
Aus mangelndem Interesse der Oberpleiser Bürger scheiterte 1952 die Gründung einer dort ansässigen Wehr – das dafür eingeplante Löschgruppenfahrzeug erhielt zu ihrer großen Freude die Uthweiler Löschgruppe.
Seit dieser Zeit hat sich einiges verändert. Seit nunmehr 37 Jahren residiert die Löschgruppe wieder in Uthweiler, die alten Fahrzeuge sind einem Tanklöschfahrzeug, einem Spezialfahrzeug Gefahrstoffe/Umweltschutz/Technische Hilfeleistung und einem Mannschaftstransporter gewichen. Gut 3 700 Haushalte schützen die 48 Freiwilligen Wehrmänner heute, und längst gilt es nicht mehr nur Feuer zu bekämpfen.
Für den heutigen Festkommers mit ausschließlich geladenen Gästen anlässlich des 75-jährigen Bestehens bleibt zu hoffen, dass er nicht so jäh endet wie der vor 50 Jahren. Damals wurde die Wehr mitten in den Silberjubiläums-Feierlichkeiten zu einem Großbrand auf einem landwirtschaftlichen Anwesen gerufen. Trotz der aktiven Beteiligung aller geladenen Löscheinheiten dauerte die Brandbekämpfung bis spät in die Nacht an

bsa